Junger Mann mit Locken hält sich die Hand an den Unterkiefer

Schmerzlexikon

Bruxismus (Zähne­knirschen und Zähnepressen)

Bruxismus ist der Fachbegriff für Zähneknirschen und Zähnepressen. Die Kaumuskeln arbeiten dabei, ohne dass du kaust: Du beißt die Zähne fest zusammen, schiebst den Unterkiefer hin und her oder hältst ihn angespannt. Das passiert im Schlaf (Schlafbruxismus) oder tagsüber, oft am Schreibtisch, beim Autofahren oder beim Sport (Wachbruxismus). Das Knirschen selbst merken die wenigsten, wohl aber die Folgen: müde Kaumuskeln am Morgen, Kopfschmerzen an den Schläfen, abgeschliffene Zähne oder Knirschgeräusche, die andere nachts hören.

Was beim Zähne­knirschen im Kiefer passiert

Beim Kauen berühren sich die Zähne nur kurz. In Ruhe sollen sie sich gar nicht berühren: Die Lippen sind locker geschlossen, die Zähne haben etwas Abstand, die Zunge liegt am Gaumen. Wer knirscht oder presst, hält die Zähne dagegen lange und mit viel Kraft aufeinander.

Daran arbeiten vor allem diese Kaumuskeln:

  • Masseter: der kräftige Kaumuskel an der Wange. Du spürst ihn unter den Fingern, wenn du die Zähne zusammenbeißt.
  • Temporalis: der Schläfenmuskel. Er zieht fächerförmig von der Schläfe zum Unterkiefer und schließt den Mund.
  • Pterygoideus medialis und lateralis: die beiden Flügelmuskeln an der Innenseite des Unterkiefers. Der innere hilft beim Zubeißen, der äußere schiebt den Kiefer nach vorn und zur Seite.

Mögliche Folgen sind müde oder schmerzende Kaumuskeln, eine stärkere Belastung der Kiefergelenke und abgenutzte Zähne.

Ein internationaler Fachkonsens beschreibt Bruxismus als wiederholte Aktivität der Kaumuskulatur. Bei sonst gesunden Menschen gilt er nicht als Krankheit, sondern als Verhalten, das für bestimmte Folgen ein Risiko sein kann (Lobbezoo et al., 2013 und 2018).

Bruxismus-Symptome: Woran du Zähne­knirschen erkennst

  • Müde, harte oder schmerzende Kaumuskeln am Morgen
  • Spannung oder Druck an Wangen, Schläfen oder im Nacken
  • Kopfschmerzen, vor allem morgens und an den Schläfen (→ Kopfschmerzen)
  • Schmerzen im Kiefergelenk, beim Kauen oder beim weiten Öffnen
  • Knirsch- oder Reibegeräusche in der Nacht, oft von der Partnerin oder dem Partner bemerkt
  • Abgeschliffene, flache Kauflächen, Risse im Zahnschmelz, empfindliche Zahnhälse
  • Zahnschmerzen, ohne dass am Zahn etwas zu finden ist (→ Zahnschmerzen)
  • Zahnabdrücke am Zungenrand oder eine weiße Linie an der Wangeninnenseite
  • Unruhiger Schlaf, Erschöpfung am Morgen

Wie sicher die Einordnung ist, hängt von der Untersuchung ab. Der Fachkonsens unterscheidet möglichen Bruxismus (du oder andere bemerken es), wahrscheinlichen Bruxismus (zusätzlich zahnärztlich untersucht) und sicheren Bruxismus (zusätzlich gemessen, etwa im Schlaflabor) (Lobbezoo et al., 2018).

Kommen Knacken, Schmerzen im Gelenk oder eine eingeschränkte Mundöffnung dazu, lies auch CMD und Kieferknacken.

Bruxismus-Ursachen

Eine einzelne Ursache lässt sich selten benennen. Meist spielen mehrere Dinge zusammen:

  • Stress und innere Anspannung: Psychosoziale Faktoren wie Stress und Angst gelten in der Forschung als wichtiger Einfluss (Manfredini & Lobbezoo, 2009).
  • Konzentration: Tagsüber pressen manche, wenn sie sich anstrengen: am Bildschirm, beim Lesen, beim Krafttraining.
  • Schlaf: Schlafbruxismus tritt oft zusammen mit kurzen Weckreaktionen im Schlaf auf. Schnarchen und Atemaussetzer können dazugehören (→ Schnarchen).

Wie wird Bruxismus behandelt?

Meist teilen sich mehrere Praxen die Arbeit:

  • Zahnärztin oder Zahnarzt: untersucht Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskeln und passt bei Bedarf eine Aufbissschiene an, im Volksmund Knirschschiene.
  • Physiotherapie: behandelt Masseter, Temporalis und Nacken, mobilisiert das Kiefergelenk, arbeitet an Haltung und Zungenlage und leitet Übungen für zu Hause an.
  • Logopädie: kümmert sich um Zungenruhelage und Schluckmuster, wenn die Zunge mit hineinspielt.
  • Bei starkem Stress: Entspannungsverfahren oder psychologische Begleitung.

Die Schiene schützt die Zähne vor Abrieb. Ein Verfahren, das nächtliches Knirschen sicher abstellt, gibt es laut einer Übersichtsarbeit nicht; am besten untersucht sind Schienen (Manfredini et al., 2015). Schiene und angeleitete Übungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Welche Übungen ergänzend sinnvoll sind, richtet sich nach Befund und Behandlungsplan.

Übungen aus der CRANii App zum Thema Bruxismus

Ob Übungen beim Zähneknirschen und Zähnepressen sinnvoll sind, hängt davon ab, was hinter deinen Beschwerden steckt. Neue, starke oder anhaltende Schmerzen lässt du vorher zahnärztlich abklären. Trägst du eine Knirschschiene, bleibt sie für die Nacht.

Die Videos findest du in der CRANii App, alle Übungen im Überblick unter CRANii Kiefertraining. Welche Übungen in deiner Situation passen, besprichst du mit deinen Zahnärzt:innen oder Physiotherapeut:innen.

Zähne­knirschen: Was tun im Alltag?

  • Ruheposition üben: Lippen locker zu, Zähne auseinander, Zunge am Gaumen. Prüf das mehrmals am Tag, etwa jedes Mal, wenn du aufs Handy schaust oder an einer roten Ampel stehst.
  • Pressen bemerken: Ein kleiner Punkt am Bildschirmrand oder ein Klebezettel im Auto erinnert dich daran, den Kiefer locker zu lassen.
  • Wärme: Manchen tut eine warme Kompresse auf den Wangen vor dem Schlafengehen gut.
  • Abends runterfahren: Ein ruhiges Abendritual ohne Bildschirm, ein paar tiefe Atemzüge oder eine Meditation.

Wann du mit Zähne­knirschen in die Praxis solltest

Lass dich zahnärztlich oder ärztlich untersuchen, wenn

  • du den Mund nicht mehr richtig öffnen oder schließen kannst (→ Kieferklemme, Kiefersperre; bleibt der Mund offen stehen, ist das ein Notfall),
  • Kiefer oder Gesicht geschwollen sind oder du Fieber hast,
  • die Beschwerden nach einem Unfall oder Sturz begonnen haben,
  • Zähne abgebrochen, locker oder dauerhaft schmerzhaft sind,
  • Taubheitsgefühle, Lähmungen im Gesicht oder plötzliche Hörprobleme auftreten (bei plötzlichen Lähmungen sofort Notruf 144, bei plötzlichem Hörverlust noch am selben Tag in die HNO),
  • Schmerzen trotz Übungen anhalten oder stärker werden.

Bei diesen Zeichen kommt die Untersuchung vor dem Üben. CRANii ersetzt keine Diagnose.

Häufige Fragen zu Bruxismus

Was kann ich gegen Zähneknirschen in der Nacht tun?

Nachts schützt eine Knirschschiene die Zähne. Am Tag kannst du die Ruheposition üben, das Pressen bemerken und abends bewusst entspannen. Lass das nächtliche Knirschen zahnärztlich ansehen.

Hilft eine Knirschschiene gegen Bruxismus?

Die Knirschschiene schützt die Zähne vor Abrieb und ist das am besten untersuchte Verfahren bei nächtlichem Knirschen (Manfredini et al., 2015). Schiene und angeleitete Übungen haben unterschiedliche Aufgaben. Ob und welche Übungen ergänzend sinnvoll sind, hängt von deinem Befund und deinem Behandlungsplan ab.

Was ist der Unterschied zwischen Zähneknirschen und Zähnepressen?

Beim Knirschen reibst du die Zähne aneinander, oft hörbar. Beim Pressen beißt du sie still und fest zusammen, ohne Bewegung. Beides ist Bruxismus und belastet dieselben Muskeln. Pressen kommt tagsüber häufiger vor, Knirschen eher nachts.

Was ist der Unterschied zwischen Bruxismus und CMD?

Bruxismus ist das Knirschen oder Pressen selbst. Eine CMD ist eine Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Viele, die knirschen, haben keine CMD. Bruxismus gilt aber als ein Risikofaktor dafür.

Quellen

  1. Lobbezoo F et al. (2013): Bruxism defined and graded: an international consensus. J Oral Rehabil. PMID 23121262. PubMed

  2. Lobbezoo F et al. (2018): International consensus on the assessment of bruxism: Report of a work in progress. J Oral Rehabil. PMID 29926505. PubMed

  3. Manfredini D & Lobbezoo F (2009): Role of psychosocial factors in the etiology of bruxism. J Orofac Pain. PubMed

  4. Manfredini D et al. (2015): Management of sleep bruxism in adults: a qualitative systematic literature review. J Oral Rehabil. PMID 26095208.