
Kreuzbiss
Ein Kreuzbiss ist eine Bissfehlstellung, bei der Zähne des Unterkiefers beim Zubeißen weiter außen stehen als die gegenüberliegenden Zähne des Oberkiefers. Das normale Verhältnis ist also überkreuzt. Man unterscheidet den seitlichen Kreuzbiss, ein- oder beidseitig, und den frontalen Kreuzbiss (Frontkreuzbiss) im Bereich der Schneidezähne. Meist fällt er schon beim Kind auf und wird kieferorthopädisch korrigiert.
Mehr zu anderen Bissformen liest du unter Bissfehlstellung, Überbiss, Unterbiss und offener Biss.
Was bei einem Kreuzbiss im Kiefer passiert
Ein Kreuzbiss kann knöchern (skelettal) bedingt sein, zum Beispiel durch einen zu schmalen Oberkiefer. Er kann aber auch funktionell entstehen: Die Zähne passen beim Zubeißen nicht gut aufeinander, und der Unterkiefer weicht zur Seite aus, um Kontakt zu finden.
In einer großen Untersuchung an Kindern und Jugendlichen war der seitliche Kreuzbiss häufiger mit Anzeichen einer Funktionsstörung des Kiefergelenks verbunden (Thilander et al., 2002). Das zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache.
Kreuzbiss-Symptome: Woran du ihn erkennst
- Der Unterkiefer weicht beim Zubeißen oder Öffnen zur Seite aus
- Das Gesicht wirkt beim Kauen, Lächeln oder Sprechen leicht asymmetrisch
- Du kaust lieber auf einer Seite, das Bissgefühl ist einseitig
- Knacken, Reiben oder Schmerzen im Kiefergelenk (→ Kieferknacken, CMD)
- Verspannungen in der Kaumuskulatur (Masseter, Temporalis), an den Schläfen und im Nacken
- Zahnabrieb oder gelockerte Zähne bei anhaltender Fehlbelastung
Kreuzbiss-Ursachen
- Veranlagung und Wachstum: Ein Missverhältnis im Wachstum von Ober- und Unterkiefer, etwa ein schmaler Oberkiefer, kann zu einem Kreuzbiss führen.
- Zahnwechsel und Zungenlage: Störungen im Zahnwechsel oder eine Zunge, die beim Ruhen und Schlucken unten liegt statt am Gaumen, können die Entwicklung des Bisses beeinflussen.
- Daumenlutschen oder Schnuller: Diese Gewohnheiten können den Gaumen schmal formen (Malandris & Mahoney, 2004).
- Verletzungen: Verletzungen des Kiefers können die Zahn- und Kieferstellung beeinflussen.
Kreuzbiss beim Kind und bei Erwachsenen: Wie wird er behandelt?
- Kreuzbiss beim Kind: Die Kieferorthopädie behandelt einen seitlichen Kreuzbiss häufig früh, oft mit Geräten, die den Oberkiefer erweitern. Für einen funktionellen Kreuzbiss, bei dem der Unterkiefer zur Seite ausweicht, empfiehlt die Fachliteratur meist eine frühe Behandlung im Milch- oder Wechselgebiss, damit sich Kiefer, Zähne und Muskeln nicht an die Schieflage anpassen. Manchmal korrigiert er sich beim Zahnwechsel auch von selbst; den Zeitpunkt legt die Kieferorthopädie im Einzelfall fest (Lo Giudice et al., 2024).
- Kreuzbiss bei Erwachsenen: Die Zahnstellung wird mit festen oder herausnehmbaren Zahnspangen korrigiert, manchmal zusammen mit einer Kieferoperation, weil der Oberkiefer nicht mehr wächst.
- Physiotherapie: behandelt Kaumuskeln und Nacken und übt Kieferbewegungen, wenn das Kiefergelenk mitbetroffen ist.
- Logopädie: übt Zungenruhelage und Schluckmuster.
Übungen aus der CRANii App zum Thema Kreuzbiss
Die CRANii App richtet sich an Erwachsene. Ob die Videos für dich passen, hängt von deinem Befund ab; lass Beschwerden im Kiefergelenk zuerst abklären, und sprich während einer kieferorthopädischen Behandlung vor dem Üben mit deiner Kieferorthopädin oder deinem Kieferorthopäden.
Die Videos findest du in der CRANii App, alle Übungen unter CRANii Kiefertraining.
Was du im Alltag bei Kreuzbiss tun kannst
- Beide Seiten kauen: Wechsle beim Essen bewusst die Seite, auch wenn eine Seite gewohnter ist.
- Ruheposition: Zunge an den Gaumen, Lippen locker zu, Zähne auseinander.
- Haltung: Achte bei Bildschirmarbeit auf eine aufrechte Haltung und eine entspannte Kopfposition.
- Sanft kauen: Kau ruhig, statt fest zuzupressen.
Wann ein Kreuzbiss in die Kieferorthopädie gehört
Lass einen Kreuzbiss beim Kind früh ansehen, weil sich das Wachstum für die Korrektur nutzen lässt. Bei Erwachsenen ist eine Untersuchung sinnvoll, wenn
- Kiefer oder Kiefergelenk schmerzen,
- der Kiefer knackt, hängen bleibt oder sich nicht mehr richtig öffnen lässt,
- Zähne sichtbar abgerieben oder locker sind,
- sich dein Biss verändert anfühlt.
Häufige Fragen zum Kreuzbiss
Wächst sich ein Kreuzbiss beim Kind aus?
Manchmal korrigiert er sich im Milchgebiss von selbst, etwa wenn ein Kind mit dem Daumenlutschen aufhört. Oft bleibt er aber bestehen. Ob abgewartet oder behandelt wird, entscheidet die Kieferorthopädie.
Kann man einen Kreuzbiss bei Erwachsenen noch korrigieren?
Ja, mit Zahnspange und bei knöchernen Ursachen manchmal mit einer Kieferoperation. Weil der Oberkiefer nicht mehr wächst, ist die Behandlung aufwendiger als beim Kind.
Hängt ein Kreuzbiss mit CMD zusammen?
Ein seitlicher Kreuzbiss war in einer großen Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen häufiger mit Anzeichen einer Funktionsstörung des Kiefergelenks verbunden (Thilander et al., 2002). Ob er die Ursache ist, zeigt das nicht, und nicht jeder Kreuzbiss führt zu Beschwerden.
Quellen
Thilander B et al. (2002): Prevalence of temporomandibular dysfunction and its association with malocclusion in children and adolescents: an epidemiologic study related to specified stages of dental development. Angle Orthod. PMID 11999938. PubMed
Malandris M & Mahoney EK (2004): Aetiology, diagnosis and treatment of posterior cross-bites in the primary dentition. Int J Paediatr Dent. PMID 15139950. PubMed
Lo Giudice A et al. (2024): Clinical indications for the diagnosis and treatment of functional posterior crossbite in pediatric population: a narrative review with clinical description. J Clin Pediatr Dent. PMID 39543879. PubMed